Kleiner „Erlebnisbericht“ zu unserer Offroad Dades – Todra – Dades Schlucht Durchquerung

Aufgrund der kalten Jahreszeit und der Tatsache, dass wir keine Heizung im Grimber haben, wollten wir keine großen Touren im Hohen Atlas machen. Unsere Touren durch das Jbel Sarghro Gebirge brachten uns allerdings schon bis an die „Tore“ zum Hohen Atlas – der Todra Schlucht bei Tinerhir und der Dades Schlucht bei Boumalne de Dades.

Die Dades Schlucht, als solches hatten wir noch nie gesehen und deshalb wollten wir zu mindestens einen Tagesausflug hinein machen, um uns dieses landschaftliche Highlight nicht entgehen zu lassen.

Wir fuhren also die ca. 60 km in die Dades Schlucht bis zum kleinen Bergdorf M'semrir auf 2.000 m Höhe hinein und mussten dort feststellen, dass es praktisch zu spät war, um im Hellen noch rechtzeitig nach Boumalne zurückzukehren

Wir entschlossen uns in einem kleinen Seitental einen Stellplatz für die Nacht zu suchen und am nächsten Tage nach Süden ins Tiefland zurückzukehren. Nach einer ziemlich „zapfig kühlen“ Nacht, fanden wir am nächsten Morgen heraus (auch durch einen Hinweis eines greisen Hirten – er fragte bei uns nach einem Schluck Whisky), dass es durch dieses Seitental theoretisch möglich wäre, in die parallel liegende Todraschlucht quasi offroad zu gelangen.

Wie viele Winter mit entsprechenden Sturzbächen, Steinschlägen, etc. vergangen waren, seitdem letztmalig hier ein motorisiertes Fahrzeug den Durchgang versucht hatte oder ob dieses generell nur mit Esel oder zu Fuß möglich war, konnten wir nicht abschätzen. Auch von dem Hirten konnten wir mangels sprachlicher Verständigung, die über die übliche „Hand und Fuß“ Kommunikation hinaus gingen, nichts darüber erfahren. Unsere Neugierde war aber geweckt und wir wollten es auf jeden Fall uns einmal näher anschauen....

Es sollte sich als der abenteuerlichste und anspruchsvollste Offroad Trip unser Reise entwickeln. Aber lest selbst, bzw. schaut Euch einige der Bilder an …

 

 

Tag 1: Dades – Todra Schlucht offroad

 

 

Der erste Teilabschnitt sollte uns durch einen Canyon über einen Pass von der Dades- in die Todraschlucht führen. Am Anfang führte noch eine holprige Stein- und Felspiste in die Schlucht hinein. Hier kamen bei uns schon die ersten Zweifel auf, als wir uns einen „Weg“ in dem ausgewaschenen Flussbett suchen mussten. Vom Weg „abkommen“ war ja anhand des tiefen Canyons nicht möglich und die Landschaft einfach nur atemberaubend! 

Bald wurden die Auswaschungen und Steinhindernisse schon wesentlich größer und der Grimber wurde entsprechend gefordert. Regelmäßiges Erkunden der nächsten Meter zu Fuß war „Pflicht“. Es ging teilweise nur noch cm-weise vorwärts und an manchen Stellen nahm die Schieflage schon ziemlich bedenkliche Formen zu.

Wir machten dabei auch die Erfahrung, dass man sich nicht nur im Sand einbuddeln kann, sondern auch beim Versuch mit einem 7,5 Tonner ein steiles ausgewaschenes Flussbett zu erklimmen, sich festfahren kann. In einem Fall haben wir das Kunststück fertig gebracht uns an einer Felswand festzuklemmen. Da half dann nur noch der Einsatz der Spitzhacke und Brechstange !! 

Nach mühseligen Stunden durch Geröllfelder und ausgewaschenen Flussbetten war die Passhöhe endlich erreicht und wir voller Hoffnung, als wir die Reste einer (ehemaligen?) Piste gesichteten, die ins Tal hinunterführt. Was sollte es ...das Wetter war gut und die Schneereste am Rande waren nur eine nette Episode (für jenen Tag)....

Die Hoffnung, dass nun eine „einfache Abfahrt“ vor uns liegen würde, wurde uns rasch genommen. Die ohnehin schmalen Serpentinen waren durch Erdrutsche und vergangene Regenfälle teilweise erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. In einigen Kehren waren an manchen Stellen die Abrutschungen durch die Niederschläge so groß, dass man eigentlich nur noch mit einem Bollerwagen hier gefahrlos passieren konnte.

Zurück ging es nicht mehr. Also war die „deutsche Straßenbau- und Brückenbauexpertise“ gefragt. In anderen Worten ...Auffüllen von Manns(oder auch Frau)-tiefen Löchern und teilweise wurde mit der Brechstange – da wo möglich – weicheres Gesteinsmaterial auf der Hangseite abgehauen.

 

Eventuell nachfolgende Verkehrsteilnehmer, etc. werden uns hoffentlich unsere Anstrengungen unbekannter weise danken (uns ist allerdings schleierhaft, wer da rauf fahren sollte...) !!! 

Als wir dann unten im nächsten Canyon auf die ersten Nomaden trafen, die teilweise dort mit ihrem Vieh in Höhlen lebten, waren wir ziemlich erleichtert. Irgendwie hatten wir es dann doch noch rechtzeitig mit dem Sonnenuntergang in die Todraschlucht auf eine gescheite Straße geschafft.

 

 

Tag 2: Todra – Dades Schlucht Überquerung über den Titi-n-Ouano (2.915m)

 

Der zweite Abschnitt dieser „Rundtour“ sollte uns über eine nicht asphaltierte Piste von der weiter nördlich gelegenen Ortschaft Agoudal hoch über den Titi-n-Ouano Pass in die nördliche Dadesschlucht zurückführen. Der Pass ist mit ca. 2.915 m Höhe einer der höchst befahrbaren Pässe im Hauptatlas und das Endziel sollte unser gestriger Ausgangspunkt, die Ortschaft M'semrir sein. Normalerweise sollte diese „Regionalstraße“ für ein 4WD kein allzu großes Problem darstellen ...

 

Am Vortag hatten wir zwar kühle Temperaturen, aber einen absolut blauen Himmel. Das Bild sollte sich ändern, je näher wir dem Ausgangspunkt für den heutigen offroad Teil der Strecke kamen. Direkt über Agoudal schien eine Wetterscheide zu sein. Heftige Winde und Sonne hinter uns; vor uns eine weiße Wolkenwand, die sich aus dem Nichts aufzubauen schien.

Wir machten einen kurzen Stopp in dieser irgendwie gespenstisch wirkenden Bergortschaft in ca. 2.300 m Höhe, um in irgendwelchen „Kellergewölben“ bei den Bewohnerin die letzten verfügbaren Brote zu erwerben. Der Proviant war noch nicht einmal vernünftig verstaut und schon begannen die ersten Schneeflocken auf uns herunter zuschneien. Oder sollte man besser sagen „von rechts nach links in der waagegerechten“ vorbeiflogen?

 

Ein kurzer prüfender Blick nach oben zu den bereits schneebedeckten Gipfeln …. und uns war klar, „das schaffen wir schon irgendwie“. Trotz des stärker werdenden Schneefalls sollte der Pass noch passierbar sein.... nur trödeln sollte man vielleicht nicht allzu viel. 

Einen uns entgegen kommenden Radfahrer (o.k. Rad kann man es nur mit etwas Phantasie nennen), der uns irgendwelche Worte wie „Camion“, „Nieve“, oder ähnliches zurief und gleichzeitig auf den Berg deutete, hatten wir irgendwie nicht richtig verstanden und auch freundlich winkend ignoriert. Nett sind sie schon alle hier !! Vielleicht sollten wir doch einmal etwas Französisch lernen ?!?!

 

Je höher wir kamen, desto dunkler wurde es. Die schneebedeckten und vereisten Stellen auf der Piste nahmen zu. Da diese relativ breit war, gab es für uns (noch) keinen Anlass zur Beunruhigung.

Mit der Höhe nahm auf der Nordseite des Passes auch die Intensität des Schneefalls zu. Mmmhhhh....was wollte im Schneetreiben nur der „hektisch winkende“ Hirte am Wegesrand uns andeuten, als er mit der Hand oben auf den im Nebel liegenden Berg deutete ??? Doch nicht etwas bei dem Sauwetter mit uns einen Tee trinken oder gar eine Zigarette schnorren?? 

Erleichtert waren wir wir dann schon, als wir endlich den höchsten Punkt der Strecke mit der Passhöhe auf über 2.900 m erreicht hatten, da die Wolkenfront hinter uns nun eine irgendwie unheimlich „tiefgraue Farbe“ annahm und der Schneefall heftiger wurde. Wer will schon hier oben von einem Unwetter überrascht werden – insbesondere ohne Heizung? 

Sobald wir den Hauptkamm Richtung Süden passiert hatten, konnten wir rasch in tiefer gelegene Täler hinab gelangen und Abstand zum Schneetreiben gewinnen. Bald waren die ersten Dörfer erreicht und kurz vor M'semrir auch die Teerstraße. 

Nachtrag:

Auf unserer Weiterfahrt aus der Schlucht heraus - und damit aus dem Hauptatlas - wurden wir im weiteren Verlauf von dem Unwetter in Form einer pechschwarzen Wolke „regelrecht verfolgt“. Man fühlte sich ein wenig an den Hollywoodfilm / Himalaya Bergdrama „In eisigen Höhen“ erinnert. Beim Erreichen der Ortschaft Boumalne im Tiefland südlich des Gebirges war der Spuk dann vorbei. Nachts auf unserem Stellplatz wurden wir allerdings von einem ziemlich heftigen Wind noch einmal so richtig durchgeschüttelt.

Im Hauptatlas hatte es in der Nacht offenbar bis in tiefere Lagen sehr stark geschneit. Dabei haben wir u.a. die folgenden Bilder gemacht.

 

Glück gehabt …. bei diesen Schneeverhältnissen dort oben, wäre es nun wohl eine eher „ungemütliche Fahrt“ geworden.

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