Marokko Teil 3 – Entdeckung der südöstlichen Gebiete des Tafilalt

Nachdem wir ausgiebig den recht wenig besuchten Osten Marokko's erkundet hatten, gab es nun zwei Möglichkeiten fortzufahren. Entweder den Hohen Atlas mit seinen Hochgebirgstälern oder tiefer in den Süden in die Ebenen mit seinen Steinwüsten, großen Dünen und Oasen. Eine leichte Präferenz hatten wir ursprünglich für das Gebirge. Bei unserem Aufenthalt im Osten auf Höhen von „nur“ ca. 1.300 m hatten wir allerdings schon gemerkt, dass die Nächte teilweise empfindlich kalt geworden waren (es war halt doch schon November). Deshalb entschieden wir uns für die südlicher gelegenen Gebiete. Es sollte sich als weise Entscheidung herausstellen .....denn der Winter erreicht einen überall !

 

Hier ein paar von unseren Erlebnissen, Alltagsgeschichten und natürlich auch ein paar Anekdoten aus dem Gebiet des Tafilalt. Das Gebiet, welches wir in diesem Teil 3 bereisten, entspricht grob dem Dreieck Ar-Rachidia Merzouga mit dem Erg Chebbi – Zagora, dem alten Karawanenwüstenstop (auf dem Weg nach Timbuktu) und der entlegenen Wüstenoase Foum-Zguid (durfte viele Jahre auch den Staub der Rallye Paris – Dakar „genießen“).

 

Die blauen Quellen von Meski

Unser Ausgangspunkt für dieses Gebiet waren die sogenannten „Blauen Quellen“ in dem kleinen Oasenort Meski. Eigentlich kein besonders wichtiger Ort, aber neben einem schönen Stellplatz in einem Dattelhain inkl. kleinem natürlichen Pool gelegen, gibt es dort die Ruinen einer alten Kasbah. Man trifft auch tatsächlich noch andere Reisende mit einem 4x4 Wohnmobil, da sich an diesem Punkt alle irgendwie treffen, egal ob sie nach Norden, Osten, Süden oder Westen weiterreisen wollen.

 

 

Offroad Boudnid – zu den Dünen Erg Chebbi / Merzouga

Das Ziel unseres ersten offroad Abschnittes waren im absoluten Südosten die größten Sanddünen Marokko`s - der Erg Chebbi. Die Fahrt führte durch eine wunderschöne Mischung aus schwarzer flacher Steinwüste und zerklüfteten Plateaus, gespickt mit vereinzelten Sanddünen.

Diese Gegend ist so einsam, dass wir nicht einmal Nomaden mit ihrem Vieh trafen. Aber, waren wir völlig allein und unbeobachtet? Nicht wirklich! Da wir uns in der relativen Nähe zur algerischen Grenze befanden, schien uns immer einer der Militärposten von ihren in den Bergen gelegenen „Horchposten“ zu verfolgen, bzw. im Auge zu behalten. Selbst dann, wenn wir uns mal Nachts in einem unwegsamen Tal „versteckt“ hatten. Unser Fahrzeug war meist „zu geländegängig“ und es war offenbar für das Militär manchmal nicht ganz so einfach uns zu folgen, sobald wir eine Schlucht ohne echte Piste ausprobierten. Das mussten wir erfahren, als eines Nachts wir Besuch von zwei Soldaten in einem wüsten-tauglichen Geländewagen erhielten und diese nach unserer „Fiche“ fragten (die waren richtig happy uns endlich gefunden zu haben). Die beiden Soldaten bestätigten grinsend, das man immer „auf uns gut aufgepasst hatte“. 

Auf diese Art haben wir in jenen Tagen wohl auch fast alle diensthabenden Soldaten in diesem Bereich kennengelernt. Für die meist jungen Männer, die hier in der Regel 3 Monate in der Einöde ausharren müssen, waren wir offenbar auch eine willkommene Abwechselung und wurden immer äußerst gastfreundlich begrüßt. Uns wurde auch jedes Mal bestätigt, dass wir während ihrer Dienstzeit die ersten Reisenden waren, die dort vorbei kamen. Nach dem schnell erledigten Pflichtteil – dem Überprüfen der Pässe, ging es immer recht rasch über zur „Teatime“ (auch „Marokkanischer Whisky“ genannt!). Meist bot man uns auch noch Brot und Wasser für die weitere Fahrt an …...

Anmerkung: Eine Fiche ist ein extra Formular / Vordruck, in dem alle relevanten Daten von unseren Pässen eingetragen wird – bei uns haben sie diese Daten immer geduldig abgeschrieben.

ALSO: Wer auch mal in diese Gegend will: Ladet Euch das Formular aus dem Internet runter, füllt es aus und macht 100 ++ Kopien …..

In der letzten Zeit hat Marokko offenbar seinen Grenzschutz erheblich verstärkt. Jeder nur erdenkliche Posten wurde besetzt. Wo möglich - ist ein doppelter Erdwall an der Grenze errichtet worden und auch das militärische Sperrgebiet ist soweit ausgedehnt worden, dass manche Wege nicht mehr befahrbar sind für die Öffentlichkeit. Über die Gründe konnten wir nur spekulieren – vermutlich auch eine Reaktion auf die Konflikte in den Nachbarländern und die Gefahr, die von möglichen islamistischen Radikalen ausgehen könnte. Ähnliches ist an der Mittelmeer- als auch an der Atlantikküste zu beobachten. Hier steht die Flüchtlingsproblematik sicherlich im Mittelpunkt.

 

 

Erkundung des „Sandkasten XXL“ von Erg Chebbi

Wer die Möglichkeit hat mit einem eigenen geländetauglichen Fahrzeug das ca. 30 km lange Dünenfeld des Erg Chebbi's zu umrunden, hat das große Glück auch den wesentlich weniger touristischen Teil „des großen Sandkastens“ zu genießen, denn der wesentliche Teil der Touristen besucht nur die westliche Seite bei Merzouga. So findet man dort noch schöne einsame Stellen zwischen Dünen zum Verweilen.

..ist man ganz alleine? Nicht ganz! Wo auch immer sie herkamen... Eines frühen Morgens saßen drei kleine Kinder schon vor dem Sonnenaufgang vor unserem Grimber und warteten geduldig, dass wir „endlich“ aufwachen würden, damit sie uns ihre „tollen“ Stoffkamele zeigen könnten (und natürlich verkaufen).

Abgesehen davon ein toller Sandkasten zum Spielen für alle kleinen und großen Kinder !! ;-)

 

 

Fahrt zum Jbel Bega – Erste Schaufelerfahrungen

Das wir im Grenzgebiet zu Algerien immer mit der Anwesenheit des Militärs rechnen müssen – diese Erfahrung hatten wir schon des Öfteren gemacht. Immer wurden wir freundlich begrüßt und die Fiche als notwendiges Übel zusammen ausgefüllt. Oft wurde unsere „Mitarbeit“ erleichtert angenommen. Im Gegensatz zu den meisten Soldaten hatten wir ja schon „Übung“ damit. Wir denken, nicht jeder hat das Buchstabieren des eigenen Namen im Militärjargon drauf !! ;-)

Kostprobe gefällig? z.B: C=Charlie; L=Lima; A=Alpha; U=Uniform; D=Delta; I=India; A=Alpha.....na, noch irgendwelche Fragen??? ;-)

Nachdem alle Freundlichkeiten ausgetauscht waren, durften wir in der Regel immer anstandslos weiterfahren. Das erste Mal, dass uns die Weiterfahrt verwehrt wurde, war bei der Umrundung des Jbel Bega im äußersten Südosten. Hier waren die Soldaten mit unserem Auftauchen so überfordert, dass sie uns „baten“ doch lieber wieder einige km zurück zu fahren und eine weiter westlich gelegene Route zu nehmen. Da wir ja „ortsunkundig“ waren und auch eine „Lagebesprechung“ mit Steinen und Stöckchen im Sand nicht so richtig funktionierte, bekamen wir kurzerhand militärische Begleitung, bis wir an eine einzelne, frische Reifenspur kamen, die von Süden „aus dem Nichts“ auftauchte. DAS, so die Soldaten war die richtige Spur, der wir nur folgen müssten! Wir kamen aus dem Stauen nicht heraus, denn es waren UNSERE EIGENEN Spuren, die wir keine 2 Stunden vorher im Gelände „produziert“ hatten. Es stellte sich heraus, das die Soldaten offenbar selber nicht so recht wussten, wohin die Wege in ihrem Bereich so führten.

Wir nahmen das als Anlass lieber auf eigene Faust nach einer Möglichkeit durch die Dünen zu suchen. Unser Vortasten (und zurück wollten wir halt nicht) brachte uns immer weiter ins Dünenfeld. Prompt machten wir unsere erste Praxiserfahrung „Wie fahre ich mich im sandigen Flussbett fest“ mit anschließender praktischer Übungsstunde „Wie schaufele ich mein Fahrzeug wieder aus dem Sand vor dem Sonnenuntergang!“.

Unser erster Versuch ohne die Hilfsmittel Sandbleche und Reifendruck ablassen (wer hat schon Lust, wenn es denn nicht sein muss hier Zeit zu investieren?) buddelte uns nur noch tiefer in den Sand. So mussten wir dann doch unsere ganzen Hilfsmittel auspacken ….und nach eine ¾ Std Schaufeln, etc. hatten wir es dann auch schon geschafft und brachten den Grimber noch vor der Dunkelheit auf festen Boden.

 

 

 

 

Wüstenetappe Taouz - Zagora / Versorgung für die offroad Fahrten

Bei unseren Fahrten im Gelände (z.B. 3 Tage Fahrt von den Dünen des Erg Chebbi`s über den Jbel Bega nach Zagora) waren wir meistens für einige Tage weg von der Zivilisation und damit nicht nur offroad, offline, sondern auch komplett autark auf uns selbst gestellt.

Das hat schon was besonderes….insbesondere, wenn man nicht immer per Telefon oder E-Mail erreichbar ist. Die nötige Verpflegung für mehrere Tage besorgen wir uns immer in den Dörfern, an denen wir vorbeikommen. Brot und / oder Baguette gibt es eigentlich immer, dazu das gerade auf der Straße angebotene Obst und Gemüse. Auch gibt es fast immer Tomaten, Oliven, meist Karotten, Gurken, Zucchini, Kartoffeln, Eier, etc. - und natürlich Mandarinen (das Zeug wird mit großen LKW's heran gekarrt)!!! Die Händler sind nach unserem Empfinden immer ehrlich zu uns gewesen und die Summen, die wir täglich für Lebensmittel ausgeben „sind mehr als überschaubar“! Ab und an kamen wir auch gerade in einem Dorf vorbei, in dem gerade der Wochenmarkt stattfand. Dann hat man uns praktisch die „Sachen hinterher geschmissen“. Zum Beispiel der Kauf von 2 Kilo Mandarinen endete bei irgendwo 3 – 4 kg plus etlichen Zitronen und Granatäpfeln als freundliche Zugabe!

Wie sagte uns einmal ein Campingplatzbetreiber im Anti Atlas.... „Wir Berber sind keine Araber! Wir handeln bei Teppichen, Souvenirs, etc....aber nicht bei Lebensmitteln!“

In Verbindung mit den üblichen Sachen, die man im örtlichen „Alimentation General“ Laden bekommt (Milch, Trinkwasser, Cola Zero, Kekse, Reis, Couscous, Nudeln, etc.) ist man mehr als ausreichend versorgt. Normales Wasser füllen wir einmal alle 2 – 3 Wochen auf einem Campingplatz, etc. auf. Tee braucht man sich nicht zu besorgen – man wird ohnehin dauernd von irgend jemanden eingeladen!

Unsere „Kommunikations- und Informationssucht“ via Internet haben wir dadurch etwas eingegrenzt, das wir uns KEINE Internetkarte von der Maroc Telecom besorgt haben. Viele andere Reisende haben diese und aus der Erzählung wissen wir, dass die Kosten auch ziemlich niedrig wären. Wir wollten das nicht …. ist irgendwie auch „total unromantisch“ in der totalen (Wüsten)Pampa zu stehen und laufend zu „surfen“.

Wir nehmen stattdessen die Gelegenheit wahr in den Orten, in denen wir unsere Lebensmittel aufstocken, uns einen Cafe au Lait „mit WiFi“ zu gönnen.

Da es einige Leute in unserem Umfeld gibt, die wissen wollen, was wir so machen, bzw. wo wir uns befinden, etc., haben wir das „Picture of the Day“ eingeführt. Nicht immer tagesaktuell (wenn man kein Internet hat wird es schwierig), aber recht schnell und unkompliziert von Thomas seinem Handy beim Cafe hochgeladen. Für längere Berichte wie zum Beispiel diesem inkl. Bilder benötigen wir allerdings gutes Internet über Nacht, sonst funktioniert es nicht. Das bedeutet die Berichte kommen teilweise mit erheblicher Verzögerung auf die Homepage.... geht halt nicht anders!

 

 

Auf den Spuren der alten Streckenführung der Rallye „Paris - Dakar“ (Zagora – M'Hamid – Foum Zguid)

Die Strecke südlich von Zagora nach M'Hamid war viele Jahre nicht befahrbar (aus militärischen Gründen). Für den Reisenden war das bekannte Schild „Tombouctou 52 Jours“ praktisch Endstation (das Original ist übrigens „verlegt“ worden..... wir haben es nicht wiedergefunden).

So hatte Thomas bei seinem ersten Besuch in Zagora Ende 1993 auch nur ein kleines Dorf mit ein paar Lehmhütten und einem Hotel vorgefunden.

Dieses hat sich in den letzten Jahren komplett geändert und der Tourismus hat nun nicht nur auch M'Hamid erreicht, sondern wer ein 4x4 Fahrzeug hat, kann relativ problemlos weiter bis zu den Dünen von Erg Chegaga (den zweitgrößten in Marokko) fahren. Auch die frühere Pistenführung der Rallye „Paris – Dakar“ führte viele Jahre hier entlang bis in die Nähe des kleinen Wüstenortes Foum Zguid.

 

 

Durchquerung des Jbel Sarghro zum Ksar Agdz auf „unbekannten“ Wegen

Während die Orientierung auf einigen „populären“ Strecken wir zum Beispiel Merzouga – Zagora oder auch M'Hamid – Foum Zguid relativ problemlos verläuft, kommt man um einigermaßen gescheites Kartenmaterial oder Infos nicht herum, wenn man auf eigene Faust etwas komplett neues ausprobieren möchte. Aber was nimmt man??? Was ist detailliert genug und auch aktuell?

Wir müssen zugeben........wir waren bzgl. Marokko relativ schwach aufgestellt gewesen. Wir hatten den aktuellen Reise Know, einen älteren Lonely Planet aus einem der Vorjahre und eine ziemlich alte Michelin Karte aus dem Jahre 1991 (!).

Seit damals hat sich allerdings allerhand getan bezüglich der Infrastruktur!!! Alle Reisenden, die wir später in Marokko getroffen hatten, bedienten sich bei der „Hardware“ ebenfalls der Karte von Michelin. Im Land selber haben wir keine Karten gefunden. Witzig allerdings war nur, das beim Vergleichen unserer alten Karte (wie erwähnt aus dem Jahre 1991 !) mit aktuellen Ausgaben von anderen Reisenden bis auf die neuen Autobahnen, zum Beispiel von Casablanca nach Agadir, praktisch keine nennenswerten Änderungen stattgefunden haben!! Viele schon seit Jahren existierenden Nationalstraßen (am ehesten vergleichbar mit unseren Bundesstraßen) sind in den Karten in ihrem Verlauf nicht enthalten; andere alte Pisten wiederum scheinen mittlerweile verschwunden zu sein. Bei der Nord-Süd „Querfeldein“ - Durchquerung des östlichen Gebietes des „Plateau du Rekkam“ hätten wir zum Beispiel theoretisch auf mindestens zwei alte Pisten treffen müssen, die einen Ost – West Verlauf haben. Außer Geröll und Steinen war da aber nichts! Letztlich gelangten wir an ganz anderer Stelle auf die moderne Nationalstr. N 19, die wiederum nicht in den Karten verzeichnet war!

Unser wertvollstes Kartenmaterial und Routenfinder ist hier – und das mag man gar nicht glauben - die auf Thomas seinem Handy fest installierte App „Google Map“, die auch im offline Modus die detailliertesten Karten mit Reliefs der Berge und Täler zeigt (übrigens ganz wichtig!). Damit und ein bisschen logischer Interpretation der Reliefs haben wir einige „unbekannte“ Pisten oder Durchgänge von Pässen und damit tolle Gegenden gefunden.

Die Überraschung in einigen Tälern - die sich auch mal als Sackgasse erwiesen hatten – bei der örtlichen Bevölkerung war schon enorm. So hatten wir manchmal den Eindruck, dass wir in ein vergangenes Jahrhundert gebeamt worden waren. Am Anfang schauten uns die Leute wie Außerirdische an..... um uns dann – nachdem sich die erste Überraschung gelegt hatte - wie die ersten Astronauten, die auf dem Mond waren oder auch die Matrosen von der „Bounty“ auf den Fidschi Inseln zu begrüßen ….. ;-)

Ein solches Erlebnis hatten wir, zum Beispiel bei der Suche nach einer alternativen Passage über/eines Ausläufers des Jbel Sarghro von Foum-Zguid zu der Oasenstadt Agdz. 

 

 

Offroad durch das Gebiet Tazzarine – Qum-Jrane - Mecissi oder die (missverständliche) Geschichte von „Ali, dem Zigarettenschnorrer“

Noch eine kleine Anekdoten aus dieser Gegend des „Irgendwo im Nirgendwo“ - konkret im Gebiet der Orte Tazzarine, Oum-Jrane und Mecissi.

Folgendes Szenario: Da „irrt“ man durch die öden und menschenleeren Täler und Ebenen, findet kaum befahrbare Pisten und stellt sich dann für die Nacht weit weg von allem. Man wählt den Platz so, dass ein großer Strauch Sichtschutz zum breiten Tal bietet, auf einer anderen Seite ein breites Geröllfeld eines trockenen Flusses („Qued“) eine natürliche Sperre darstellt und die Rückseite dadurch abgegrenzt wird, dass man direkt unter einem ca. 200 m hohen Felsabbruch, der min. 30 km lang ist, steht. Das nächste Dorf war geschätzt ca. 20 km entfernt. Da sollte man doch eigentlich gut versteckt sein – oder? Unser Plan war auch das Plateau am nächsten Morgen über einen noch am Vorabend entdeckten ziemlich rudimentären Pfad zu erklimmen.

Wie so oft ...es sollte anders kommen. Während wir in der Nacht tatsächlich ungestört blieben, war uns am nächsten Morgen ein ungestörtes Frühstücken nicht vergönnt. Plötzlich hörten wir ein Motorradgeräusch aus der Ferne näher kommen. Nicht nur, dass das Tal viele Km2 groß und wir eigentlich „unsichtbar“ waren, hielt der Fahrer direkt auf uns zu und parkte sein Motorrad keine 20 m neben uns in dem trockenen Flussbett (wir hatten ihn in jenem Moment einfach mal „Ali“ getauft). Dann setzte er sich auf einen Felsen und starrte die ganze Zeit auf unser Fahrzeug! Das passte uns gar nicht in den Kram, denn wir wollten ja noch auf das Plateau, um den fantastischen Ausblick über die Ebene zu genießen!

Thomas musste nach dem Frühstück noch einmal hinaus, da er seine Trekkingsandalen aus einem der externen Stauräume holen musste. „Ali“ erwachte sofort aus seinen Tagträumen und versuchte uns durch Handzeichen zu verstehen zu geben, das er „ganz dringend eine Zigarette bräuchte“!

Hä...... was ist denn das für eine Nummer?!!? Der Typ taucht aus dem Nirgendwo auf, fährt ca. 2 km mit seinem Motorrad querfeldein, stellt sich direkt neben uns und wartet dann auf eine Zigarette???

Für uns war er ab diesem Zeitpunkt nur noch „Ali, der Zigarettenschnorrer“. Nachdem wir ihm klar gemacht hatten, dass wir Sportler wären und nie und nimmer eine Zigarette anrühren würden (von Whisky ganz zu schweigen – das ist in der Regel die zweite Frage!), schob er sein Motorrad hinunter in das Flussbett zwischen einige Felsen, und setzte sich irgendwo auf einen Stein im Geröllfeld... und wartete!

Wir wollten ja eigentlich auf das Plateau trekken, aber mit dieser Type hier unten ?!

Egal! Letztlich durchquerten wir das Geröllfeld und stiegen innerhalb der nächsten 45 min bis kurz unter das Plateau hinauf. Von Ali unten im Tal war nichts zu sehen …

Plötzlich hörten wir dicht hinter, oder besser unter uns, leise Musik aus einem Handy! Das konnte doch nicht wahr sein! Jetzt folgte Ali uns bis hier oben und in seinem weißen Sack, den er so lässig über seine Schulter geworfen hatte, befanden sich bestimmt seine von seiner Omi, Mutti, Tantchen und Schwesterchen gehäkelte Kamele, die zum Verkauf für irgendwelche doofen Touri´s bestimmt waren!!

Also nahmen wir unsere Beine in die Hand und kletterten schnell weiter, um das Plateau mit seinem tollen Ausblick ALLEIN zu erkunden. Die Felswand war auch ein Eldorado für jeden Sammler von Fossilien. Thomas, der sich für so ein Zeug interessiert, hatte ohne große Mühe ca. ein Dutzend versteinerte Tiere gefunden und eingesammelt. Man muss dazu wissen, das diese Gegend sehr reich an Fossilien ist und praktisch an jeder Straßenecke Fossilien zum Verkauf angeboten werden.

Seltsamerweise tauchte „Ali“ auch nach über einer halben Stunde nicht oben auf. Beim Hinuntergehen trafen wir ihn auch nicht wieder!

Wohin war Ali denn verschwunden? Plötzlich hörten wir ein leises Hämmern! Da war er ja unser Ali.... Etwas unterhalb des Plateaus war er rechts in der Höhe einer grauen Erdschicht im Geröll abgebogen. Er suchte dort offenbar nach Fossilien – solche, wie sie Thomas teilweise ebenfalls gefunden hatte – um sie vermutlich auf den Märkten den Touristen zum Verkauf anzubieten.

 

So kann man sich irren!! “Ali“ war gar nicht an diesem entlegenen Ort, um eine Zigarette zu schnorren, sondern wir hatten offenbar ohne es zu wissen, an dem einzigen möglichen Pfad für viele km geparkt, der es – nun „Ali – dem Fossiliensammler“ ermöglichte, zu der hoch im Felsabbruch gelegenen Schicht mit Fossilien zu gelangen.

 

;-)

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