Viva Espana !

Auf Spanien hatten wir uns besonders gefreut.

Claudia lernt bereits seit einiger Zeit die Sprache in der VHS und Thomas hat ohnehin durch seinen Aufenthalt im Studium in Zaragoza „erweiterte Grundkenntnisse“.

So sollte uns unser Weg u.a. auch genau dorthin führen.

Hatten wir in den Pyrenäen und Katalunien noch das saftige „Grün“genossen, betritt man mit der Region Aragon einen ziemlichen trockenen Landstrich, der mancherorts den Charakter einer Halbwüste aufweist. Im Winter kühl, im Sommer heiß und fast immer Sonne!

 

Durch Zufall sind wir in Zaragoza Anfang Oktober, d.h. pünktlich zur „Fiesta de Pilar“. Dies ist ein großes Fest zur Ehren der heiligen Pilar. Die ganze Stadt ist am feiern (und wenn Spanier feiern, dann heißt das auch FEIERN!) - da haben wir uns natürlich nicht geziert!

Auch gibt es viele Veranstaltungen. Überall spielen in den Straßen Musikanten, Gaukler, Komiker, und „Möchtegern-Turner“ versuchen mit ihren Darbietungen den einen oder anderen Euro bei den Passanten locker zu machen.

U.a. finden jeden Tag Stierkämpfe und „Vaquillas“ statt. Bei ersterem gehen die Meinungen sicherlich weit auseinander und so entscheiden wir spontan uns eine Vaquilla anzuschauen …..“Vaquilla“? Sicherlich hat die Mehrheit davon noch nie gehört!

 

Kurze Erklärung: „Vaquilla“ (oder auch „novilla“) nennt man in Spanien die ungefähr 1,5 – 3 Jahre alten Kälber. Diese werden werden bei Festen o.ä. in Arenen (auch in Stierkampfarenen) gelassen, wo alle Menschen (meist junge Männer) in die Arena springen können und ihren Mut beweisen können. Viele versuchen sich dem Stier zu nähern und ihm mit (viel) Geschick einen kleinen Ring über ein die Horn zu streifen. Das Tier kommt hier nicht zu schaden ….ab und an erwischt es aber einen Zweibeiner.....aber seht selbst ….

https://www.youtube.com/watch?v=O7WW5FpQbMs

 

...nachdem auch Claudia nicht so ganz wusste was sie erwarten würde, begaben wir uns frühzeitig zum „Plaza de Toros“, wobei der Ausdruck „früh“ wörtlich zu nehmen ist..... Beginn um 08:00; Einlass kurz vor 07:00, völlige Dunkelheit und in unserem Fall am Wochenende. D.h. der Spanier kommt – mehr oder weniger nüchtern – direkt von seiner Party um dort weiterzumachen! Echt eine harte Nummer! Dabei kommen viele mit ihren Penas (Anmerk.: eine Art Stammtisch/Mischung von Freundeskreisen, Spielmannszüge, usw.) in die Arena, die jeden Morgen mit bis zu 5.000 Leuten total voll ist und machen einen Höllenlärm. Wir waren eigentlich schon schwer hörgeschädigt und „traumatisiert“ bevor die Veranstaltung überhaupt begann....

 

Wie oben bereits angeschnitten, kommen die Jungstiere / Kälber hier nicht zu Schaden und können sich auch mal verausgaben, was in der Koppel so wohl nicht möglich wäre. In der Arena ist auch kein Torero. D.h. jeder der möchte und genug Mumm hat, kann seinen Mut beweisen und einfach in die Arena springen. Thomas hat das in seiner Studentenzeit vor über 20 Jahren mit einigen anderen Erasmus Studenten gemacht und damals eine bislang nicht übertroffene persönlichen Bestleistung im Überspringen einer Mauer aufgestellt!

Heute hält er sich zurück und überlässt den vielen jungen, männliche Spaniern den Vortritt. Ziel ist es den jungen Stieren ein Schleifchen auf die Hörner zu hängen. Da das Tier selbstredend nicht mitspielt und seinerseits „etwas anderes“ auf die Hörner nehmen will, ist das nicht so ganz ohne und jeder Teilnehmer sollte entsprechende Sprintqualitäten haben.

 

So passiert es auch gelegentlich, dass der Stier den Spanier auf die Hörner nimmt! Nach ca. 10 min. sind die jungen Stiere ausgepowert oder haben die Lust verloren. Das ist die Zeitpunkt, dass das Muttertier in die Arena geholt wird. Sobald der junge Stier seine Mama bemerkt, trottet er brav mit ihr aus der Arena. An seiner Stelle kommt ein neuer, frischer Jungstier und darf die Spanier in der Arena jagen...

Viele ländliche Regionen in Spanien leiden unter der Migration der Menschen in die großen Städte oder gar ins Ausland. Extremste Beispiele haben wir im Süden von Aragon gesehen. Total verlassene Landstriche, Gegenverkehr nur alle paar Stunden, Straßen, die schon seit Ewigkeiten keine Reparatur gesehen haben, Äcker, die in dieser hügeligen rauen Umgebung schon lange nicht mehr bewirtschaftet worden sind, nur alle 5 bis 10 km eine Siedlung, o.ä., wobei die Steinhäuser alle vernagelt waren oder schon längst zusammengefallen sind. Man kann nur vermuten, ob die Ruinen 20, 50, 100 Jahre alt sind ...oder schon aus römischer Zeit stammen??

Landschaftlich ist diese wüstenähnliche Gegend für Outdoor Aktivitäten einfach nur klasse. Wir stellten unser Fahrzeug irgendwo in die Büsche am Berg (nachts ist es komplett dunkel ! Kein Licht bis zum Horizont)

Mit dem MTB durchfahren wir viele kleine verlassene Dörfer. Menschen sehen wir nur sehr selten – wenn dann sind es meist alte greise Menschen.

U.a. durchfahren wir das „Geisterdorf“ Piedrahita. Eine längst in die Jahre gekommene Informationstafel erzählt von einem Dorf, welches um 1900 noch über 450 Menschen hatte – seit 1981 ist das Dorf menschenleer! Der Zufall will es, dass vor einem Steinhaus doch noch ein alter Mann vor seinem Haus saß. Zuerst waren wir uns gar nicht so sicher, ob er sich überhaupt noch bewegt in seinem Stuhl. Wir sprachen ihn deshalb vorsichtig an. Es entwickelte sich ein sehr interessantes Gespräch. Er erzählte uns, dass er nach dem Militärdienst in Melilla hierher zurückgekommen sei. Auf die Frage wie viele Leute denn nun wirklich hier noch dauerhaft leben würden, kam er auf „ca. 5 – 7“.

Er bestätigte, dass viele aufgrund mangelnder Arbeitsperspektiven, etc. - in diesem – aber auch in den anliegenden Dörfern – kaum noch Leute leben würden. Die meisten „Einwohner“ würden nur sehr selten vorbeischauen.... manche von Zeit zu Zeit an einem Wochenende, andere einmal im Monat oder z.B. in den Ferien. Er selber lebte hier mit seiner Frau, wobei wir nicht ganz sicher waren, ob es vielleicht nicht doch seine Tochter war??

Während des Gespräches draußen konnten wir mal einen kurzen Blick in das „Wohnhaus“ werfen …..keine Fenster, sehr dunkel und in der Mitte des großen Raumes befand sich eine große offene Feuerstelle.....Als Haustüre diente ein großer Vorhang.

Die Begegnung fühlte sich wie eine Reise in die Vergangenheit an - hier war die Zeit stehengeblieben!

 

 

Anekdote am Rande: Bei einem canyonartigen Aussichtspunkt oberhalb des Flusses Ebro „im Irgendwo“ werden wir von einem älteren, spanischen Herrn angesprochen. Er möchte wissen, wie uns Spanien gefällt und ist sehr überrascht, das wir aus Deutschland sind. Er hat unser Kennzeichen gesehen: WM-GB 567. Der dachte doch tatsächlich das „GB“ in der Mitte steht für Großbritanien!?

 

Nachdem wir nun bereits fast 3,5 Wochen unterwegs waren, war es auch mal Zeit für einen Tag am Strand. In der Nähe von Sagunto / Valencia genossen wir zwei Tage lang Sonne, Strand und Meer. Jetzt in der absoluten Nachsaison konnten wir bei angenehmen Temperaturen den Strand ganz für uns allein beanspruchen.

So lange hatten wir bisher noch nie ununterbrochen im Grimber gelebt. Als Claudia abends kochen wollte, piepte es mal kurz und das Licht war aus. In der Wohnkabine gab es keinen Strom mehr! Wo war gleich nochmal die Taschenlampe???

Der erste Blick galt natürlich dem Sicherungskasten. Hauptschalter rein und raus half leider nicht. Hmm..... nach intensiver Suche wurde der Akku-Wächter als „Täter überführt“ (der Schalter, der sich ausschaltet, wenn die gespeicherte Leistung zu gering wird)! Sollten wir wirklich derart über unsere (Strom) Verhältnisse gelebt haben?

Später beim Essen sitzen wir wieder im Dunkeln. Fazit und einstimmiger Beschluss: Für die Zukunft wird nun der Kühlschrank als größter Energiefresser über Nacht ausgestellt.

 

Als eine der schönsten Ecken Spanien stand nun Andalucia auf dem Programm. Geografisch und klimatisch nur ein Steinwurf von Afrika entfernt und doch so nah. …

Vino tinto, Sonne pur, Flamenco, Gitarrenspieler in den Straßen Granada's, jede Menge Kultur, Landschaft...... was will man mehr?

Um alle schönen Stellen zu erkundigen benötigt man vermutlich ein weiteres Leben. Wir versuchten so viele abseits gelegene Wegen wie möglich zu nutzen, um das wahre Andalusien kennenzulernen abseits von Orten wie Marbella, Malaga, usw....

Wie schon in Aragon gab es auch hier Landstriche, an denen offenbar das 21. Jahrhundert vorbeigegangen ist. Dünnbesiedelte und trockene Ebenen wechselten sich mit vielen mittelgebirgsähnlichen Höhenzügen wie z.B. der „Sierra de Segura“, „Sierra de las Estancias“, „Sierra de Baza“, „Sierra de los Filabres“, etc. ab.

 

 

Die „Sierra Nevada“ als Outdoor- und Trekkingparadies sticht bei den Bergen natürlich total hervor. Mit einem 7,5 Tonner einmal die Nebenstraßen quer rüber zu fahren wird dabei schon mal zu einer „etwas langsameren“ Auffahrt. Dafür haben wir uns mit einer Trekkingtour bis auf 2.600 m Höhe belohnt mit Blick auf den schneebedeckten 3.182 Meter hohen „Horcajo“.

 

In den vielen einsamen Gegenden haben wir dann auch einige wunderbare Stellplätze mitten in der Natur gefunden. Ein Highlight war der Übernachtungsplatz in einem Canyon in der Wüste bei Tabernas. In der Gegend wurden u.a. viele Italo -Western vor Jahren gedreht. Clint Eastwood und auch Indiana Jones waren „gewissermaßen im Geiste“ dabei.

 

 

Neben schönen Landschaften im Landesinnern hat Andalusien natürlich auch herrliche Strände zu bieten....und es gibt dort einige Flecken, die gehören zu den trockensten Stellen mit den meisten Sonnenstunden im Jahr in ganz Europa. Wir quartierten uns am Cabo de Gata für einige Tage ein. Eine tolle Landschaft vulkanischen Ursprung, glasklares Wasser, tolle Buchten, Klippen und einer total ariden Umgebung mit Kakteen, etc.  

Krasser Gegensatz dazu sind die unzähligen Obstplantagen in der Ebene von Almeria …..mit Kunststoffplanen abgedeckte „Treibhäuser“, in denen das Obst für vermutlich halb Europa angebaut wird. Hier finden auch viele Gastarbeiter aus dem Maghreb (u.a. Marokko) – und wohl auch neuerdings viele (legal oder illegale) Schwarzafrikaner ein „Auskommen“......

Was wir im Vorbeifahren als „Unterkünfte“ für diese Leute ausmachen konnten, erinnerte allerdings doch eher an die Flüchtlingsdörfer in Calais.....

Wie groß der Einfluss des Anbaus von Obst und Gemüse in diesem Küstenabschnitt ist, sieht man schon an dem Straßenbild der Städte, die manchmal eher an Nordafrika als Europa erinnern.

 

Den Touristenmassen konnten aber selbst wir im Herbst nicht ganz entkommen. Malaga, Cordoba, etc. haben wir aus diesem Grunde erst einmal mit Absicht links liegen gelassen. In den Städten Granada und Ronda hat es uns hingegen voll erwischt.....

 

 

In Tarifa war anderseits schon die Nebensaison angebrochen - sofern es so etwas bei Surfern überhaupt gibt!

Trotz des ewig starken Windes konnten wir dort noch einige schöne warme Tage verbringen.Dort trafen wir auch noch einen alten Freund von Thomas. Dirk und seine Familie waren dort schon häufiger im Urlaub. Sie zeigen uns die Gegend und auch einen schönen Übernachtungsplatz etwas abseits von Tarifa: die sogenannte „Landebahn“ - ein Sandstrand für Surfer und Kiter einige Kilometer außerhalb. Dort standen wir ganz allein direkt am Strand – auch nur möglich außerhalb der Saison!

Aber nicht nur der Wind ist heftig – auch die Strömung im Atlantik ist nicht zu unterschätzen! An einem Spätnachmittag wurden wir aufmerksam gemacht, dass im Meer ein Kite Schirm treibt. Sofort sprang Thomas in seinem Neo, rannte zum Meer und kraulte hinterher. Ehe man sich versah, war er schon fast außer Sichtweite...und der Kite noch weiter draußen! Kurz bevor er bei dem Kite Schirm angelangt war, brauste ein Motorboot heran und schnappte ihm dem Schirm vor der Nase weg..... Pech gehabt ! Der Rückweg gegen die starke Strömung und Wellen zurück zum Strand wurden eine lange, zähe Angelegenheit, die sich bis nach Sonnenuntergang hinzog. Also nicht nachmachen!

Auf der „Landebahn“ trafen wir auch noch Sabine, Micha und Fenja (der Hund) von Herman-unterwegs.de, die ebenfalls auf dem Weg nach Marokko waren.

 

Wir verbrachten schöne Abende zusammen bei Pizza und Kaiserschmarrn.

Tarifa als der nächstgelegene Punkt zu Nordafrika bedeutete für uns dann aber auch erst einmal Abschied von Spanien zu nehmen. Von Tarifa ging es mit der Fähre nach Tanger in Marokko.

 

 

Hasta luego Espana – Salam aleikum Marokko!

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